Mein zweiter Urlaubstag, den ich überraschend früh starte. Überraschend deswegen, weil ich gestern bis sehr lange nach Mitternacht versuchte meine kreativen Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Ich hatte mir nachmittags nämlich Bauwollgarn gekauft und möchte daraus ein Sommertop häkeln. Noch klappt es nicht so, wie ich mir das vorstelle, aber das ist total okay. Irgendwann kommt schon die zündende Idee.

Deswegen entschied ich mich dann auch, den Wecker auszumachen. Ich habe keine Pläne für den heutigen Tag. Es spielt also keine Rolle, wann und wie ich in diesen starte. Einfach mit der inneren Uhr aufwachen und dann aufstehen, wenn es sich so anfühlt, aufstehen zu wollen. Ein großes Privileg! 
Ich liebe es, mich noch ein paar Mal umzudrehen und entweder noch einmal einzuschlummern oder diese Zeit im Bett für die ersten Gedanken oder, noch besser, für Tagträume zu verwenden. Das tat ich heute ausgiebig und war dann sehr überrascht, als mir mein Handy "07:21 Uhr" zeigte. Gefühlt hatte ich schon den ganzen Vormittag im Bett vertrödelt. 
Auch das passt sehr gut zu den neuen Energien: 
Es wird immer öfter erwähnt, dass sich unser Gefühl für die Zeit verändert wird. Aber das nur am Rande, weil es mir gerade eingefallen ist.

Für den August werden übrigens ziemlich heftige Energien vorausgesagt.
Die Fachmenschen empfehlen, sich von den "kriegerischen Energien im Außen" und von den Nachrichten fernzuhalten. Eine Botschaft ist sehr markant bei mir hängengeblieben: Die Menschen werden gerade ganz stark durchgeschüttelt, alles bricht auf, die Wahrheit kommt ans Tageslicht. Gleichzeitig versuchen die Mächte, die unser Erwachen ausbremsen wollen, uns immer mehr zu manipulieren und uns in Panik zu versetzen. Das alles wird Manchen einfach zu viel und sie toben gewaltig, überschreiten dabei Grenzen und ihr Limit. Von dem sollen wir uns auf keinen Fall beeinflussen lassen. Es ist wichtiger denn je, unseren eigenen Weg zu gehen und uns auf uns und unser Innerstes zu konzentrieren.

Wie bereits erwähnt, ist das nichts Neues für mich. Das tue ich ohnehin schon seit ... ja, seit wann eigentlich?

Eine ganz besondere Fähigkeit von uns Hochsensitiven ist es ja, detailgetreu auf sein Leben zurückschauen zu können. Das muss man sich in etwa so vorstellen, als ob man ein großes Plakat an der Wand hängen hätte, auf dem die wichtigsten Stationen des Lebens wie eine riesige Collage gesammelt wurden. Ich kann mich also vor dieses Plakat stellen und mir einen Überblick über mein Leben verschaffen. Entweder scanne ich im Zeitraffer darüber und kann somit die Veränderungen und die Entwicklung über die Jahre hinweg erkennen, oder ich suche mir einen bestimmten Tag aus und reise ganz bewusst zu einem wichtigen Ereignis zurück. Das Ganze kann ich dann wie einen inneren Film mit dem Inneren Auge sehen. Und mit "detailgetreu" meine ich wirklich detailgetreu! Ich bin wieder mitten drin in dieser Situation. Ich fühle, rieche, sehe und höre, was ich damals gefühlt, gerochen, gesehen und gehört habe. 
Es gibt nichts Schöneres für mich, als zu einem ganz besonderen Highlight immer wieder zurückzureisen und das Ganze noch einmal zu erleben.  
Es hat mir aber auch geholfen, meine schwersten Traumen dadurch selbst zu heilen. Wenn die Zeit reif ist, kommen nämlich auch die dunkelsten Momente wieder hoch und klopfen leise an. 
Ich möchte dieses Thema an dieser Stelle gar nicht vertiefen, weil ich eigentlich etwas anderes erzählen wollte, aber so viel sei noch gesagt: Wenn ich bereit bin, einen dieser dunklen Momente noch einmal mit allen Sinnen zu durchleben, lasse ich mich voll und ganz in den Schmerz, in die Scham, in die Trauer, in den Zorn und alle anderen Emotionen von damals ein. Es ist harte Arbeit und es ist schrecklich, aber es ist vor allem befreiend. Denn irgendwann kommt der Moment, wo ich diesen Schmerz plötzlich mit Abstand und als Erwachsene spüre, und dann verändert sich das Bild des Ereignisses. Ich kann dann durch die Emotionen hindurch die Situation analysieren und besser verstehen, was warum passiert ist. Wenn ich das oft genug getan habe, verliert dieser dunkle Moment die Macht über mich. Er bleibt dann zwar Bestand meines Lebens, aber - im besten Fall - erkenne ich sogar den Grund, warum ich das alles durchstehen musste.

Jetzt aber zurück zu dem Grund, warum ich mich eigentlich vor meine Lebenscollage gestellt habe. Ich wollte nachschauen, wann ich angefangen habe, meinen eigenen Weg zu gehen und mich auf mein Innerstes zu konzentrieren.
 
Und schon sehe ich mich als Teenager in meinem Zimmer sitzen. Wobei das eigentlich nicht stimmt. Ich glaube, ich habe das, was ich tief drinnen spürte, schon viel früher hinterfragt. Im Teenageralter wurde es aber notwendig, ganz bewusst meinen eigenen Weg zu gehen und mich auch einmal gegen etwas aufzulehnen, was mich sonst kaputt gemacht hätte. Damals musste ich mich zwangsläufig fragen, warum diese Dinge passieren und, mehr noch, warum ich darauf so reagiere, wie ich reagiere. 
Was hätte ich dafür gegeben, damals schon zu wissen, dass ich eine Hochsensitive Person bin! Und wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass mein Umfeld damals auch schon gecheckt hätte, dass sie es mit einem Hochsensitiven Kind zu tun haben! Aber auch das ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht - oder wahrscheinlich - noch an anderer Stelle aufgreifen werde.
Die einzige Person, die damals ohne Zweifel schon wusste, dass ich hochsensitiv bin, war mein Hausarzt. Er hat mir nie starke Medikamente verschrieben. Bei Grippe hat er mich mit pflanzlichen Hustensaft und Lutschtabletten ins Bett geschickt ... zum Schlafen und Schwitzen. Als ich mit über Dreißig noch die Feuchtblattern (Windpocken) bekam, gab er mir Tabletten, die mich fast durchgehend schlafen ließen. Ich hatte folglich gar nicht so viele wache Momente, um mit dem Juckreiz oder den Schmerzen fertigwerden zu müssen. Als ich einmal wegen akutem Herzrasen zu ihm kam, schaute er mir nach dem EKG tief in die Augen und fragte: "Was ist los in deinem Leben? Was macht dich so fertig?" 
Die verschriebenen Tabletten nahm ich zwar, doch eigentlich hatten seine Fragen schon dazu beigetragen, mir eingestehen zu müssen, wie sehr ich damals in meiner toxischen Beziehung unter Seelenstress litt. Es war also mein Hausarzt, der mir beibrachte, auf meinen Körper zu hören und den Hauptaugenmerk auf die Ursachen, nicht auf die Symptome zu richten. 
Vor ein paar Jahren, als ich aktiv damit beschäftig war, die Traumen meiner hochsensitiven Kindheit aufzuarbeiten, kaufte ich die größte Dankes-Karte, die ich finden konnte, und ließ diesen wundervollen Menschen wissen, welch außergewöhnlich großen Dienst er mir für mein ganzes Leben erwiesen hat. Einige Monate später erfuhr ich aus dem Internet, dass er nach langer, schwerer, mit Geduld ertragener Krankheit verstorben war. Ob er meine Nachricht noch erhalten hat, weiß ich nicht. Doch ich weiß ganz genau, dass wir uns "Zuhause" treffen werden und ich die Gelegenheit bekomme, ihm noch einmal persönlich zu danken.

Schon wieder abgewichen! Mann! Es gibt aber auch so viel zu erzählen ...

Okay, jetzt aber zurück in die Gegenwart. Ich wollte eigentlich schon seit gestern aufschreiben, warum ich überhaupt mit diesem neuen Blog angefangen habe.

In mir wird jetzt der Drang immer stärker, mich tatsächlich von der Gesellschaft, oder besser gesagt, von meinem alten Leben zurückzuziehen, und mich mehr auf mein Innerstes zu konzentrieren. Nicht, weil ich das in den Podcasts und in den YouTube Videos der Fachmenschen höre, sondern weil ich das tatsächlich so spüre. Auch diese Phasen gab es schon immer in meinem Leben. Irgendwann kam immer mal der Moment, wo mir alles zu viel wurde, wo ich mich zuhause vergrub, nichts hören und nichts sehen wollte, weil ich mich mit mir selbst auseinandersetzen musste. 
Jetzt ist es aber ein ganz natürlicher Prozess geworden. Es gibt gerade keine Stressmomente in meinem Leben. Es gibt nichts, was mir gerade zu viel wird. Ein Rückzug wäre also gar nicht notwendig. Außerdem bin ich gerade sehr gerne unter Menschen, weil sie mir so deutlich zeigen, was gerade abgeht. Alles, was ich quasi theoretisch von den Fachmenschen erfahre, zeigen mir die Menschen auf der Straße. Ich schaue mir das total gerne an und ich beobachte mich auch total gerne selbst dabei, wie ich mit den neuen Alltagssituationen umgehe. Dennoch grenze ich mich bewusst und unbewusst immer mehr ab. Nämlich von all dem, was sich nicht mehr richtig und wichtig anfühlt.

Ich verspüre ständig den Impuls, Dinge neu auszurichten und mich generell neu zu erfinden. Unnötiges wegzulassen, auf den Kern der Sache zu kommen und daraus etwas Neus zu machen. So ist das. Das sind die Fakten. Was braucht es dafür und was braucht es dafür nicht mehr?  

Als ich dann anfing, auch praktisch all das wegzustreichen, was nicht (mehr) zu mir gehörte, kam plötzlich eine Lawine von neuen Impulsen daher. Mein Kreatives Sein erkannte quasi den freien Raum und feuerte ständig neue Ideen ab. In allen Bereichen meines Lebens: 
Hey, das könntest du im Haushalt anders /besser machen. Häkeln, Stricken, Lesen, Schreiben ... was sollen wir zuerst tun? Im Job achten wir ab jetzt auf dies und jenes. Wofür wollen wir unser Geld ausgeben? Wie schaut es denn mit der Körperpflege aus? Wollen wir vielleicht einmal schauen, was wir da noch natürlicher angehen können? Und weil wir gerade bei "noch natürlicher" sind: wie wollen wir denn unsere Ernährung in Zukunft noch mehr verbessern?
Auch mein Unterbewusstsein sah diese neue Chance und kramte all das heraus, womit ich mich doch bitte auseinandersetzten sollte, um es endlich aufzuarbeiten. 
Zum Glück verspürte ich nicht die Verpflichtung alles sofort erledigen zu müssen. Ganz im Gegenteil. Ich lehnte mich zurück, schaute mir das alles erst einmal in Ruhe an und spürte dann in mich hinein, was ich davon gleich umsetzen wollte, was ich mir für später auf eine To Do Liste packte, um es zwar für den Moment aus dem Kopf zu bekommen, aber auch nicht zu vergessen, und was ich als Idee für "irgendwann einmal" stehen lasse wollte. 
Ich fing tatsächlich an mir To Do Listen zu schreiben. Einfach, weil ich manchmal das Gefühl hatte, etwas Wichtiges stand an, was ich vergessen hatte. 
Heute habe ich mehrere Listen auf meinem Handy:
geplante Aufgaben mit konkretem Datum
Aufgaben, die erledigt werden müssen,
Erinnerungen - für all das, was ich vielleicht einmal machen könnte,
Einkaufslisten für die verschiedenen Bereiche
eine Wunschliste für all das, was ich vielleicht gerne einmal haben wollen würde, aber jetzt noch kein Geld dafür ausgeben möchte,  

Das meiste, das auf diesen Listen steht, kann ich auch auswendig aufsagen. Trotzdem ist es ein gutes Gefühl, alles auf diesen Listen stehen zu haben. Und manchmal ist es einfach herrlich, die Listen durchzugehen und zu wissen, gerade steht nichts an. 

Auch das erzeugt zusätzlichen freien Raum für alles Neue, was da daherkommt. 
Und dieser freie Raum wird mir immer wichtiger.
Mittlerweile sortiere ich auch meine Gedanken und Überlegungen aus. Auch in meinem Kopf brauche ich freien Raum und Kapazitäten für alles, was jetzt und demnächst ansteht. Beim Aufräumen wurde mir auch bewusst, wie oft ich noch viel zu sehr mit dem Verstand arbeite. 
Und das von mir, dem absoluten Bauchgefühlsmensch! 
Ich habe die wichtigen Entscheidungen immer mit dem Bauchgefühl getroffen und werde das auch immer so machen. Ich vertraue meinem Bauchgefühl blind und ich weiß mittlerweile, dass das Bauchgefühl unsere Verbindung mit unserer Seele, mit dem Seelenplan und mit dem Universum, der Quelle, ist. Trotzdem bin auch ich noch immer sehr kopflastig. Lieber noch einmal "logisch" überprüfen, ob es sich richtig anfühlt. Total bescheuert, oder? Vertraue ich jetzt blind meinem Bauchgefühl oder nicht?
Eigentlich schon, ... aber ... meine Selbstzweifel waren bis jetzt noch zu groß, um es auch so stehen zu lassen.

Doch jetzt passiert plötzlich folgendes:
Langsam bekomme ich eine Ahnung davon, wie viel ich in meinem Leben schon richtig gemacht habe. All das, was gerade so wichtig wird, kenne ich schon. Ich muss mich und mein Leben nicht komplett ändern, um in dieser Aufwach- und Wachstumsphase zurecht zu kommen. Ich profitiere auf ganzer Ebene von meinem Hochsensitiven Sein und von all dem, was ich mir selbst über die letzten Jahrzehnte erarbeitet habe!
Mir wird jetzt erst so richtig bewusst, wie gesegnet ich mit meiner Hochsensitivität wirklich bin, weil ich schon immer dazu angehalten wurde, ein möglichst selbst bestimmtes Leben zu führen. Genau das, was jetzt so wichtig für uns Menschen wird, darf ich schon seit vielen Jahren üben und trainieren.
Und langsam aber sicher schwinden dadurch die Selbstzweifel.
Wenn die Fachmenschen schreiben oder sagen: "Du bist perfekt, wie du bist! Du bist genau so, wie du bestimmt bist.", dann dringt das langsam auch zu mir durch. 

Vielen Dank, dass ich so sein darf, wie ich bin!  

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