Eine Getriebene kommt zur Ruhe

 



Wenn ich heute also auf all die Ereignisse in mein Leben zurückblicke, die in irgendeiner Art und Weise meinen Lebensweg ausgerichtet haben, greife ich mir automatisch kopfschüttelnd an den Kopf.
Warum?
Weil ich bis vor kurzem noch gedacht habe, ich muss extrem hart und ständig an mir arbeiten, muss ständig damit beschäftig sein, mein Vorankommen und meinen Wachstum voranzutreiben, indem ich so oft wie möglich das Richtige tue.
Direkt und indirekt habe ich daran gefeilt, besser zu werden, Fehler auszumärzen, alte Muster abzulegen ... gesellschaftsfähiger zu werden, liebeswerter zu werden, nicht mehr so impulsiv zu sein, freundlicher zu werden, Ärger und Frust besser zu vermeiden ... an den richtigen Orten zu sein, sich in Gesprächen und Situationen richtig zu verhalten, mich nicht mehr provozieren zu lassen, mich besser im Griff zu haben.

Ich war eine Getriebene.
Zeit meines Lebens war ich eine Getriebene.
Spannenderweise war ich das einerseits aus den falschen, andererseits aber zum Glück auch aus den richtigen Gründen. 
Und dieser Gedanke fühlt sich gut an. 
Es ist nicht so, dass ich über 50 Jahre irr gelaufen bin oder Zeit vergeudet habe ... mein Getrieben Sein hat mir über die Jahrzehnte ganz bestimmt gute Dienste erwiesen.
Denn dadurch war ich ständig auf der Suche nach den richtigen Dingen.

Meine Hochsensible Seele spürte schon immer, dass es da noch so viel mehr gibt, als wir sehen und verstehen können.
Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich mich schon als kInd immer als Sonntagskind bezeichnet habe. Irgendwann einmal, als diie digitalen Kalender erfunden worden waren, kam ich drauf, dass ich eigentlich an einem Samstag auf die Welt gekommen bin ...
Nichtsdestotrotz empfand ich mich als Sonntagskind. Denn, so sehr ich schon im jungen Alter vom Leben durchgeschüttelt wurde, fühlte ich mich trotzdem immer beschützt. Ich spürte einfach, dass da etwas ist, das auf mich aufpasst. Ich habe es beschrieben als Leben unter einem Glassturz. Egal wie schwierig es auch gerade war, irgendetwas achtete darauf, dass mir nichts Schlimmes passieren würde.
Ein schönes Gefühl!
Denn ich konnte gar nicht so verzweifelt sein in meinem Leben, als das ich nicht diese beschützende Hand gespürt hätte.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich für das, was ich gespürt habe, Erklärungen bekommen habe.
Fragen habe ich immer gestellt. Viele Fragen, sehr viele Fragen! Mein Kopf war vollgestopft mit Fragezeichen ... manchmal bis kurz vor dem PLatzen.
Warum ist das so?
Warum bin ich so anders als alle Anderen?
Warum versteht mich keiner?
Warum spüre und fühle ich so viel mehr und so viel anders als alle Anderen?
Warum?
Warum?
Warum?
Es war zum verzweifeln, dass ich auf all diese Fragen keine Antworten erhielt. Auf der anderen Seite und vor allem aus heutiger Sicht war es ganz besonders wichtig, dass ich darauf am Anfang keine Antworten erhielt. Hätte ich als junger Mensch, und wir sprechen hier von einem Teenager, der gerade anfing sein Leben extrem kritisch zu hinterfragen, hätte ich damals jemanden in meinem Leben gehabt, der mir meine vielen offenen Fragen beantwortet hätte, ... ich hätte diese Antworten vielleicht akzeptiert und als Grundstein für meine Entwicklung verwendet. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn ich mich von den Überzeugungen Anderer hätte beeinflussen lassen!
Nicht weil ich denke, dass nur meine Überzeugungen die richtigen sind ... sondern weil es gerade für mich als Hochsensiblen Menschen verherrend gewesen wäre, wenn ich nach den NOrmen anderer mein Leben gestaltet hätte.
Das habe ich lange genug und immer wieder probiert ... schließllich muss man doch in eine Gesellschaft passen ... und wäre daran fast zerbrochen. 
Da es aber gerade in den wichtigsten Jahren meiner frühen Entwicklungen niemand gab, der mich in meiner Misere aufgefangen hätte, musste ich die Sache alleine in die Hand nehmen. Wie gesagt, aus heutiger Sicht mein größtes Glück, damals war es einfach nur schrecklich.
Instinktiv habe ich damals aber gerade deswegen schon viel besser auf mich geachtet, als ich das überhaupt wusste. Instinktiv habe ich nämlich das Richtige gemacht. Viele Fehler habe ich auch gemacht, sicherlich, doch dabei habe ich eines total richtig gemacht ... ich habe mich selbst beschützt. Ich habe Entscheidungen getroffen und diese auch unumstößlich und, wenn nötig, gegen den Rest Welt vertreten, egal wie sehr ich deshalb verspottet oder angefeindet wurde. Ich habe mich zurückgezogen und gelernt das, wobei mir Andere nicht helfen konnten, mit mir selbst auszumachen. Ich habe schon damals auf meine Bedürfnisse geachtet. Und ich habe gespürt, dass es da etwas Größeres gab, dass es da Gründe dafür geben musste, warum das alles passiert. Gerade in den Momenten, wo ich eigentlich nicht mehr konnte und kurz vor dem Aufgeben war, gab es etwas, das mich weitermachen ließ. Ich war, und das hat mir wohl das Leben gerettet, immer neugierig auf das WARUM. 

Meine ersten konkreten Antworten erhielt ich aus dem Feld der Energetik. Da war ich aber schon über Dreißig ... 
Das war vielleicht ein Durchbruch!
Plötzlich bekam ich genau zu dem, was ich spürte, Erklärungen. Meine "Glassturz-Theorie" war zum Beispiel für den Energetiker ganz normal. Es gibt in Wahrheit nichts Negatives, sondern nur Lehrreiches. Wir müssen unsere Erfahrungen sammeln und das geht eben nur, wenn wir in Situationen geraten, in denen wir eben diese Erfahrungen auch machen können. Wie sollen wir jemals lernen zu verzeihen, wenn uns niemand verletzt?
Diese Situationen werden für uns geschaffen um daraus zu lernen. Dabei bekommen wir aber immer nur so viel auf den Teller, wie wir auch bewältigen können. Und genau darauf achtet ... das Universum, Gott, die Quelle, die Schöpfung ... oder wie immer wir es nennen wollen. Und das fühlt sich für mich halt wie dieser beschützende Glassturz an.
MIt diesen neuen Antworten vertiefte ich meine Suche sogar noch mehr, weil ich damals endlich die Bestätigung dafür bekam, dass sich das Suchen tatsächlich lohnt. Und ich suchte ab dem Moment auch nicht mehr im Trüben, sondern erkannte plötzlich eine Richtung, in die es ging.

Der nächste Meilenstein: Malta 
Mit 42 Jahren wanderte ich nach Malta aus und lebte plötzlich meinen großen Lebenstraum. Doch es passierte noch viel mehr! Hier in Malta begann meine Heilung. Zum einen, weil ich mich durch mein Auswandern auch räumlich von dem trennte, was mich noch zurückhielt. Zum anderen, weil ich hier in Malta plötzlich dieses sichere Umfeld vorfand, in dem ich mich ungestört entfalten konnte, während ich von Menschen getragen wurde, die wahrscheinlich gar nicht wissen, wie sehr sie mich getragen haben und noch immer tragen.
Hier in Malta gab es immer noch genug Herausforderungen zu bewältigen, doch ich durfte hier die meisten Erfahrungen in einer viel spielerischen Art und Weise meistern. Es war plötzlich kein Überlebenskampf mehr, sondern ein Lernen in einer angenehmen Atmosphere. MeinDank gilt hier der positiven Energie Maltas und den Menschen, die mir diese Lehr-Situationen geboten haben. Doch ich bin mir auch dessen bewusst, dass ich mir durch meine eigenen Bemühungen dieses neue, leichtere Lernen verdient hatte.

Und, als es dann endlich so weit war, bekam ich die absolut wichtigste Antwort meines Lebens!
Der Satz, den ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde, lautete:
"Alles was du mir gerade erzählst hast,  habe ich vor ein paar Wochen in einem Buch gelesen."
Diesen herrlichen Satz sagte eine Ex-Kolllegin damals zu mir, nachdem sie sich geduldig meine Klagen über all das angehört hatte, was mir damals mein Lebens so schwer machte. Ich war damals überwältigt und müde. Lärm und andere Menschen haben mich wahnsinnig gemacht. Ich konnte den Stress einfach nicht mehr ertragen, dem ich in Alltagssituationen ausgeliefert war, die für andere Menschen scheinbar total normal waren. 
Natürlich lieh mir diese Ex-Kollegin dieses Buch und ich las es in einem Rutsch durch.
Ich erfuhr endlich, dass ich eine Hochsensible Person war!
Ich erfuhr endlich, dass das was ich spürte eigentlich ganz normal war und so auch ca. 0,15% der Weltbevölkerung empfanden. Zugegeben nicht sehr viel, aber ich war nicht mehr alleine!
Der Durchbruch meines Lebens!

Jetzt suchte ich nicht nur nicht mehr in Trüben und auch nicht nur in die richtige Richtung ... jetzt schritt ich selbstbewusst auf dem Lehrpfad voran und ließ mich neugieriger als je zuvor von allem inspirieren, was auf irgendeine Art und Weise am Wegesrand auftauchte und meine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Eine herrliche Reise begann!
Während ich mich weiter um meine Heilung kümmerte, begann ich mir meine Wahrheiten zurechtzulegen. Das, was ich spürte, das, woran ich glaubte, und das, was ich irgendwo las oder hörte, wurde quasi auf einen Nenner gebracht und irgendwann ergab sich daraus eine Wahrheit, die so total für mich stimmte.
Mein neues Weltbild entstand!
Mein persönliches Puzzle-Bild war immer deutlicher zu erkennen.

Eine wunderbare Reise! Und doch gab und gibt es immer noch Abschnitte, in denen ich alles hinschmeißen möchte, weil ich das Gefühl habe, mich verzettelt zu haben. Eine Weile läuft alles hervorragend und auf einmal ist er wieder da dieser schwarze MOment, wo plötzlich wieder nichts Sinn macht. Wieder verrannt! Wieder in einer Sackgasse unterwegs gewesen, ohne es zu ahnen! Wieder all meine Enerigie in etwas gesteckt, das überhaupt keinen Sinn ergibt!
Ich mag nicht mehr! Es bringt doch alles nichts! Ich werde es nie kapieren! 

Jetzt sind aber diese schwarzen MOmente in Wahrheit keine Endpunkte, sondern lediglich wichtige Wegweiser an einer noch viel wichtigeren Weggabelung. Die Sackgassen sind in Wahrheit keine Sackgassen, in die ich unnötig und falsch abgegebogen bin, sondern wichtige Resourcen für Lehrstoff, den ich für meine Lebensreise brauche. 
Seit dieser Erkenntnis geht es mir mit diesen scharzen MOmenten nicht nur besser, sondern ich begann irgendwann diese schwarzen Momente sogar zu schätzen.
Statt:: "Scheisse! Da bin ich wieder. Wieder mit dem Kopf gegen die Mauer gerannt! Wieder Energie verschwendet, weil ich so stur an etwas festgehalten habe, was offensichtlich nicht richtig ist." --- "Was lerne ich daraus? Was musste ich auf dieser Wegstrecke alles mitnehmen? Was durfte ich in dieser "Sackgasse" lernen?" 
Damit stellte ich mir offensichtlich die richtigen Fragen, denn plötzlich brauchte ich diese Sackgassen und schwarzen MOmente gar nicht mehr. Ich musste keine Energie mehr für längere Wegstrecken "vergeuden" und ich sah die Mauer am Ende dieser Gasse schon von Weitem und konnte deshalb schon viel frührer umdrehen ... lange bevor ich mir den KOpf an dieser Mauer stoßen konnte.

Spannenderweise erreichte ich dann mein nächsten persönlichen Meilenstein genau da, wo es für so viele Menschen anfing richtig schwierig zu werden::
Die Corona Pandemie bot mir eine ungeahnt wichtige Möglichkeit mich in eine Richtung zu entwickeln, die - so fühlt es sich gerade an - mich entgültig auf die Zielgerade meiner Lehrzeit geleitete.
In diesem Lock Down, in diesem vorgeschriebenen Rückzug, besann ich mich noch mehr auf mich selbst. Je weniger die Einflüsse von außen wurden, desto mehr erkannte ich die Wichtigkeit meines Inneren. 
Heute weiß ich, dass ich das was ich suchen muss, in mir selbst suchen muss. NIcht im Aussen und nicht in anderen Menschen, sondern dass ich das ausgraben muss, was in mir verborgen liegt, was durch das Leben überlagert und verschüttet wurde. Ich muss meine Essenz finden. Ich muss authentisch werden und sein. 
Ich muss zu mir finden. Ich muss herausfinden, wer ich wirklikch bin und was mich ausmacht. Nur das ist das Feld, in dem ich tätig werden kann und muss. 
Die äußeren Umstände gestalte ich zwar mit, doch die Regie führe ich dabei ganz bestimmt nicht. Die äußeren Umstände werden für mich geschaffen, damit ich meine Erfahrungen sammeln kann. Was wirklich in meiner Hand liegt, ist mein Inneres, meinen Essenz.

Ich kann mir also all diese Anstrengung sparen, ständig das Richtige tun zu wollen!
Was ich heute mache ist, noch viel stärker auf mein Gefühl zu hören und Situationen schon einmal mit diesem neuen Blickwinkel zu betrachten. Was bietet mir diese Situation? Warum verhalten sich die Menschen so? Warum reagiere ich auf diese Menschen in der Art, in der ich reagiere? Was soll ich daraus lernen? Was darf ich daraus lernen?

Ja, natürlich stelle ich mir immer noch Millionen Fragen! Schließlich will ich ja weiterkommen. Aber ich stelle mir offensichtlich die richtigen Fragen, denn diese Fragen erschöpfen mich nicht mehr. Ich fühle mich nicht mehr getrieben, alles immer und ständig richtig zu machen. Es gibt einen guten Grund, warum es gerade etwas schwierig wird. Was ist die Lektion dahinter? 
Wenn ich mich auf meine Essenz konzentriere, ergibt sich alles andere plötzlich von ganz alleine. Je authentischer ich bin, desto klarer werden auch die Lektionen im Außen!

Die Getriebene kann und darf damit also zur Ruhe kommen und ihren weiteren Lebensweg mit einer ganz neuen Leichtigkeit beschreiten. 

VIELEN DANK DAFÜR! 

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