Man muss an Wunder glauben, um sie zu erleben.

 



Heute ist mein 53. Geburtstag.
Ich feiere meine Geburtstage schon ganz lange nicht mehr. Wobei ... eigentlich habe ich sie schon gefeiert, aber eben auf meine eigene Art und Weise. Mein Inneres Kind darf an diesem Tag bestimmen, was wir unternehmen. Es bekommt dann all das zu essen, was es essen möchte, und wenn es ein Geschenk haben möchte, bekommt es auch das. 
Dieses Jahr ist alles anders. 
Der 7. August ist tatsächlich nur der 7. August. Ein Datum im Kalender. Nicht mehr und nicht weniger.
Wahrscheinlich deswegen, weil mein Inneres Kind und ich vor ein paar Wochen ohnehin schon einmal sehr intensiv miteinander verbunden waren ...

Da waren wir nämlich gemeinsam in der Seelenheimat unserer Kindheit. 
Vor dieser Reise schob ich Panik. Ich spürte, etwas Großes würde dort passieren. Jedes Szenario, mit dem mein Verstand daherkam, fütterte diese Panik so lange, bis ich an einem Tag sogar kurz davor war, die ganze Reise abzusagen.
Zum Glück half mir dann das Schicksal - in Form meiner Freundin - diese Panik hinten anzustellen. Es gab wichtigere Gründe, um diese Reise anzutreten!

Ich möchte hier kurz etwas weiter ausholen, weil die Vorbereitungen für diese Reise für mich so grenzgenial sind. Es wird erst mit einer Zusammenfassung aller Ereignisse sichtbar, wie akribisch das Ganze vorbereitet wurde - und zwar nicht von mir, sondern von Höherer Stelle.  

Vor zwei Jahren entdeckte ich auf YouTube einen österreichischen Kabarettisten, den ich vorher noch nicht kannte. Je mehr ich von ihm sah, desto mehr wurde ich zum Fan. Allerdings nicht nur von dem Bühnenstar, sondern vor allem von dem Menschen, den ich immer besser kennenlernte, weil ich mir sämtlichen Online-Content anschaute, den ich finden konnte. Dieser österreichische Kabarettist war schließlich der Grund, warum ich letztes Jahr im Juni nicht nur meine erste Post-Corona-Reise antrat, sondern zum ersten Mal seit 7 Jahren wieder in Wien war. Ein wunderschöner Urlaub! Eine extrem wichtige Reise in einer extrem wichtigen Zeit.
Dem Schicksal - und wieder in Form meiner Freundin - sei Dank, durfte ich ihn damals persönlich kennenlernen. 
Danach wollte ich alles rund um diesen Kabarettisten in ein Schatzkästchen packen und im Herzen verstauen. Ich hab ihn getroffen, ich hab mit ihm gesprochen, ich durfte ihn sogar umarmen, ... die Erinnerungen an diesen Urlaub und alles Magische, was damals passiert ist, kann mir niemand mehr nehmen.
Es gab nichts mehr, das noch offen geblieben wäre. Mehr geht einfach nicht.  
Doch offensichtlich war die Geschichte noch nicht zu Ende.  
Irgendwann im September letzten Jahres war mir nämlich plötzlich danach, auf Google nachzuschauen, was es Neues von ihm gab. Ich klickte auf die News und scrollte durch die neuesten Beiträge. Dann kamen Beiträge, die ich schon kannte. Doch irgendwie konnte ich nicht aufhören zu Scrollen. Meine rechte Hand machte einfach weiter, ferngesteuert gewissermaßen. Und da stand dann plötzlich die Ankündigung, dass er im Juni 2024 in jener Ortschaft in Tirol sein Kabarett spielen würde, in der ich alle Urlaube meiner Kindheit verbracht hatte! Nicht in der Nähe dieser Ortschaft, sondern genau in dieser Ortschaft. Ich war total überwältigt. Das konnte doch kein Zufall sein!
Ich ließ das Ganze noch ein wenig in mir wirken, doch eigentlich war schon klar, dass ich diese Ankündigung offensichtlich finden MUSSTE. Es war wohl Zeit, nach langer Zeit wieder einmal dorthin zu reisen, wo ich als Kind am glücklichsten war. Der Gedanke daran war auch schon länger vorhanden. Doch "ich möchte wieder einmal ..." ist leider ein sehr unbestimmter Zeitpunkt. Da braucht es einen österreichischen Kabarettisten, damit das Datum festgelegt und der Gedanke in die Tat umgesetzt wird. 

Im Juni war es also so weit. Nach mittlerweile 12 Jahren kam ich zum ersten Mal wieder in meiner Seelenheimat an. Das Wiedersehen verlief nicht ganz reibungslos. Insgeheim fürchtete ich mich wohl vor dem, was vor der Reise durch meine Panikattacken angekündigt worden war. Ich war mir sicher, es war die Zeit gekommen Abschied von meiner Kindheitsheimat zu nehmen. Was sollte es sonst sein, das mir unbewusst so große Angst machte? 
Jedes Mal also, wenn ich etwas fremdelte in der gewohnten Umgebung, dachte ich es ist so weit. Doch zum Glück gab es auch Momente, in denen ich mich wieder komplett zuhause dort fühlte. Einmal zum Beispiel, als ich durch den Ort ging und mir auf der anderen Straßenseite eine Frau entgegenkam. Ich erkannte sie sofort wieder. Es war meine Kindheitsfreundin, die ich seit 40 Jahren nicht mehr gesehen hatte! Ich sprach sie an, wir umarmten uns und es fühlte sich so an, als hätten wir uns erst vor ein paar Tagen zum letzten Mal gesehen.
Das Große, das bereits Wochen zuvor angekündigt worden war, war aber etwas anderes ...
Eines Morgens ging ich alleine an der Arche entlang, die durch den Ort fließt und die durch die heftigen Regenschauer der Vortage wirklich sehr laut dröhnte. Ich genoss den Spaziergang zurück in meine Vergangenheit. Es gab zwar viel Neues in dem Ort, doch immer wieder kam ich auch an Häusern vorbei, die noch genau so aussahen, wie in meiner Kindheit. Ich schaute auf die Berge rundherum, die mir so vertraut waren, und immer mehr empfand ich so, wie ich damals als kleines Mädchen empfunden hatte. Ja, ich wurde wieder zu diesem kleinen Mädchen. Als dann auf einer kleinen abgesteckten Weide auch noch braun-weiß-gefleckte Kühe im frischen grünen Gras standen und mich kauend anschauten, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten.
Genau hier an diesem Ort war ich als Kind am Allerglücklichsten. Nach diesem Ort hatte ich Heimweh. Hier durfte ich damals ausschließlich Kind sein. Mit Mama und Papa an meiner Seite. Mit den Kindern am Bergbauernhof, wo wir jedes Jahr im Sommer eine Woche Urlaub verbrachten, und die zu meinen Freunden geworden waren. Mit meiner besten Tier-Freundin, Frida, eine Haflingerstute. Und die Berge rundherum, die ich sehen kann, wann immer ich meine Augen schließe. 
An diesem Ort spürte ich damals auch die ersten Schmetterlinge in meinem Bauch. Viel zu jung damals, um überhaupt zu wissen, was vor sich ging. Meine erste Liebe. Ohne Happy End und doch etwa ganz Besonderes. Die Briefe, die wir uns ca. ein Jahr lang geschrieben haben, habe ich immer noch. Ich hab sie sogar mit nach Malta genommen.  

Auf diesem Spaziergang an jenem Morgen im Juni wurde mir bewusst, wie wichtig es war, wieder in Kontakt mit diesem kleinen Mädchen zu treten. Ja mehr noch ... ich wurde an diesem Morgen wieder zu diesem kleinen Mädchen. Unbeschreiblich glücklich, aus ganzem Herzen das Leben liebend, neugierig und wissbegierig, frei von allen Sorgen. Mir wurde an diesem Tag bewusst, wer ich wirklich war. Wenn ich all die Lektionen und schweren Themen, die mir das Leben zum Wachsen schenkt, zur Seite schiebe, erkenne ich mich selbst wieder. Mich, das kleine strahlende Mädchen, das in das Leben verliebt ist und an Wunder glaubt. 

Ich musste also nicht an diesen besonderen Ort zurückkehren, um ihn loszulassen, sondern um mich selbst wieder zu finden. Die Ankündigung, es würde etwas ganz Großes geschehen, war richtig. Die Panik hätte ich mir sparen können. 

Diese Wiedervereinigung mit meinem kleinen Mädchen war ein ganz großer Schritt in meinem Selbstheilungsprozess. Ein wichtiger Kreis wurde geschlossen. Ich konnte zum ersten Mal ganz klar erkennen, wer ich war und worin ich durch die Lektionen des Lebens geprägt worden war. Wann handle ich als Ich und wann reagiere ich durch meine Traumen hindurch? Wann bin ich komplett Ich und wann werde ich durch meine falschen Glaubenssätze fehlgeleitet? 
Ich fand heraus, wie wichtig es ist, mich an das kleine Mädchen zu erinnern, aber noch viel wichtiger, wieder zu diesem kleinen Mädchen zu werden. 
Das bin Ich.
Das ist mein authentisches Ich.

Wenn ich heute, an meinem Geburtstag, also nicht das Verlange spüre, den Tag extra mit meinem kleinen Mädchen zu "feiern", dann liegt es daran, dass ich sie sowieso in meinem Herzen trage und jetzt jeden Tag darauf achte, ihr etwas Gutes zu tun. Sie ist so ein liebes, fröhliches, herzliches Mädchen! Ein Tag genügt nicht, um sie zu feiern. Der 7. August ist also nur noch ein Datum im Kalender.
Ein Tag an dem ich mich trotzdem über die Nachrichten von lieben Menschen freue, die an mich denken. 

Zum Abschluss sei noch der Kabarettabend in Tirol erwähnt.
Was für ein Abend!
Schon vor der Show bemerkte ich, dass sich der Kabarettist an mich erinnerte und überlegte, woher er mich kannte. Was ich genial finde nach fast einem Jahr! 
Beim Kabarett traf ich dann meine erste Liebe wieder. 
Und nach dem Kabarett erzählten wir beide gemeinsam in einer kleinen, feinen Runde dem Kabarettisten unsere Geschichte:
Ich: "Wir haben uns damals Briefe geschrieben."
Kabarettist: "Ah ja, damals hat man sich ja noch Briefe geschrieben."
Ich: "Ich hab übrigens deine Briefe noch. Hab sie sogar mit nach Malta genommen."
Er: "Ich hab deine Briefe auch noch."

Damit hat sich ein weiterer wichtiger Kreis geschlossen. Ich empfinde es als großes Glück, dass ich diese Geschichte als Erwachsene, 40 Jahre danach, zu so einem schönen Abschluss in so einem besonderen Rahmen bringen durfte.

Und ich bin extrem dankbar dafür, dass ich die beiden Männer an diesem Abend ganz fest in meine Arme schließen durfte!

Am Anfang fand ich einen österreichischen Kabarettisten gut und schaute alles, was ich auf YouTube von ihm finden konnte, ...
Und daraus entstand im Laufe von zwei Jahren das. 

"Man muss an Wunder glauben, um sie zu erleben!"

Eine Botschaft auf dem Neujahrstee von Sonnentor für das Jahr 2024.  



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eine Getriebene kommt zur Ruhe

"An was soll ich denn glauben, als an das, was ich spür´?"