Meine Familie, meine Verwandten

 



Heute ist Samstag, der 4. März 2023.
Dieses Bild habe ich mir vor ein paar Tagen per Screenshot abgespeichert, weil es mich ganz extrem angesprochen hat. 
Okay, Bilder von den Natives sprechen mich eigentlich immer an, doch von diesem konnte ich meinen Blick für eine ganze Weile nicht abwenden. Der wunderschöne Mensch, die Geste des Wasser Trinkens, das Knien am Wasser, die "Stille" und die Verbundenheit mit der Natur ... ich weiß gar nicht genau, was dieses Bild so speziell für mich macht. Wahrscheinlich ist es ein Mix aus all dem.
Und heute bin ich ganz froh darüber, es zu haben, denn es passt perfekt zu meinen Gedanken, die ich niederschreiben möchte.

Meine Verbundenheit mit den Ureinwohnern Nordamerikas und die Sehnsucht nach ihnen ist sein Kurzem wieder ganz intensiv.
Vorgestern Abend, als es eigentlich schon Zeit war, ins Bett zu gehen, war mir danach Indianische Flötenmusik zu hören. Ich dachte mir noch, keine schlechte Idee, Panflötenmusik vor dem Schlafengehen ist nicht das Schlechteste. Was ich aber nicht wusste, ist, dass ich beim Anblick dieses schönen Menschen mit dem langen, schwarzem Haar in Tränen ausbrach, weil mein Herz vor Sehnsucht weh getan hat.
Diese Wellen der schmerzhaften Sehnsucht sind mir bereits bestens bekannt. Es gibt Zeiten, da befinden sich die Indianer nur am Rande meiner Wahrnehmung. Ich trage zwar täglich meinen Silberrring mit den Federn von den Navajos und schicke meist, wenn ich am Meer stehe, auch ein "Pilamayaye", ein "Danke" an Wakan Tanka, dem Großen Geheimnis, wie Ihn die Lakota nennen. Doch ansonsten denke ich nur sporadisch an sie. 
Und dann ändert sich das ganz plötzlich in dieses intensive Gefühl der Sehnsucht, in der ich am liebsten meine Koffer packen und nach South Dakota fliegen würde, weil es so weh tut, von ihnen getrennt zu sein. 
Warum das so ist, kann ich nicht genau sagen.
Ich kann mir vorstellen, dass es eben diese Zeiten in meinem Leben gibt, wo ich mich aus guten Gründen mehr an meine Seelen-Familie erinnern muss. 
Oder noch treffender: an meine eigene Indianische Seele ...

(Mir ist bewusst, das man "Indianer" heute aus political correctness nicht mehr sagen darf. Ich komme aber nicht drum herum, dieses Wort zu verwenden, denn für mich ist es das schönste Wort überhaupt. Ich kann nicht beschreiben, welches Glücksgefühl der Klang dieses Wortes in mir auslöst.) 

Vieles in meinem Leben wird von dieser Indianischen Seele unbewusst gesteuert. Ich ertappe mich manchmal bei Eigenschaften oder Gedanken, die erst bei genauerem Hinschauen sehr Indianisch erscheinen. 
Diese Verbundenheit, obwohl sie meist mit schmerzhafter Sehnsucht verbunden ist, hilft mir ganz ungemein. Die Ureinwohner Amerikas, diese wunderbaren, weisen Menschen, erklären mir die wichtigsten Fragen des Lebens in einer Sprache, die ich ganz deutlich verstehe. Den wahren Grund dieser Verbundenheit weiß ich auch nach fünfzig Jahren noch nicht. Mittlerweile sind diese Fragezeichen jedoch fast verschwunden. Es ist tatsächlich nicht mehr wichtig, welche Hintergründe es dafür gibt. Wichtig ist nur, dass es sie gibt. Ich habe über die Jahre mehrere verschiedene Theorien dafür aufgestellt und die machen auch alle Sinn, doch die Wahrheit erfahren werde ich  wahrscheinlich erst ... Zuhause. 

Wichtiger denn je ist gerade die Verbundenheit mit der Natur und mit dem Universum.
Je authentischer ich werde, desto deutlicher spüre ich diese Verbundenheit. Die Botschaften werden klarer und deutlicher, die Quelle des Lebens "spricht" direkt mit mir und ich erinnere mich an die Ur-Wahrheit, die mir hilft diese schneller werdende Reise zu verstehen.
Mehr denn je muss ich mich gerade an meine Indianische Seele erinnern, weil ich mich von dem Sog der Lemmlinge beschützen muss. Es ist wichtig in dieser intensiven Zeit, zu wissen worum es in meinem Leben geht. 
Mein Leben ist meine persönliche Reise. Vor intensiven Zeiten brauche ich mich nicht fürchten, weil ich mich immer schon um mich selbst gekümmert habe und weiß, wie ich mich am besten vor den äußeren Einflüssen schützen kann. 
Je selbstbewusster ich gerade werde, desto deutlicher tritt auch meine Indianische Seele in den Vordergrund. Meine Prinzipien gleichen denen der Ureinwohner Amerikas, ob mir das nun bewusst ist oder nicht. Ich hab sie einfach in mir und das macht mich extrem glücklich!

Auch wenn ich von meiner Indianischen Seele spreche, kann ich das nicht wissenschaftlich belegen. Es ist einfach eine Erklärung, die für mich am meisten Sinn ergibt. 
Meiner Meinung nach ist es nämlich so, dass wir tatsächlich alle diese Ur-Wahrheit in uns tragen. Wirklich ALLE. Keiner ist hier bevorteilt oder benachteiligt. Es liegt lediglich an uns selbst, was wir daraus machen, ob wir sie wahrnehmen oder unter all dem vergraben belassen, was uns das Leben und die Menschen darin in unserem bisherigen Leben in das Gefäß der Weisheit geschüttet haben. Und dann gibt es eben in den meisten Kulturen diejenigen, die diese Ur-Wahrheit deutlicher gespürt haben als andere und diese, im Versuch sie zu erklären, als ihre Thesen niedergeschrieben haben.
Dieses Prinzip gibt es in allen Kulturen und, meiner Meinung nach, decken sich diese verschiedenen Thesen auch in der Basis. Ein weiteres Indiz dafür, dass es tatsächlich um diese Ur-Wahrheit geht, die wir alle in uns tragen. Einziger Unterschied ist eben, dass jeder versucht, seine Erkenntnisse in seinen eigenen Worten, in seiner eigenen Sprache zu erklären.
Wir, die Suchenden, finden früher oder später unsere Antworten in jener Kultur, die uns am meisten anspricht, oder deren "Sprache" wir eben am besten verstehen.
Es gibt Suchende, die zieht es nach Afrika, in die Wiege der Menschheit. Andere sind total begeistert von den Aborigines, den Ureinwohnern Australiens, oder den Maori, den Ureinwohnern Neuseelands. Wieder andere finden ihre Antworten und die stimmigsten Erklärungen im Buddhismus, bei den indischen Gurus oder in der alten Chinesischen Hochkultur.
Für mich waren es immer die Ureinwohner Nordamerikas - und davon ganz speziell die Lakota. Aber natürlich nicht nur. Ich interessiere für eine ganze Bandbreite von Erklärungen. Antworten hab ich demnach auch schon in der Energetik, von indischen Gurus oder im Buddhismus gefunden. Zitate und Weisheiten von den alten Griechischen Philosophen haben mir in meinem Leben schon genau so auf die Sprünge geholfen, wie das, was ich aus meiner Ägyptische Phase von den Pharaonen mitgenommen habe. 
Ganz bestimmt würde ich auch tolle Wahrheiten in der Bibel bestätigt bekommen ... doch die katholische Kirche hat mir leider das Interesse daran genommen. Vielleicht kommt der richtige Moment dafür noch.

Es ist absolut nicht wichtig, woher wir unsere Antworten beziehen. Denn am Ende liegt es ohnehin an uns selbst, was wir daraus machen. 
Stimmen diese Antworten für uns? Übernehmen wir sie genaus so, wie sie sind, oder lassen wir uns davon nur inspirieren? Vielleicht bekommen wir auch Antworten, die für uns überhaupt nicht passen. Auch das ist eine großartige Hilfe. Wie schön, wenn man aus der großen Bandbreite an Weisheiten das für sich schon einmal ausschließen kann, was überhaupt nicht passt. Zu wissen, womit man überhaupt nichts anfangen kann, ist schon der erste Schritt um herauszufinden, was für einen passt. 

Wenn ich sage, dass Vieles in meinem Leben unbewusst von meiner Indianischen Seele gesteuert wird, dann habe ich dafür auch aktuell ein konkretes Beispiel.
Ein Kind der Natur war ich immer schon. Ich gehöre zu meinem großen Glück noch zu der Generation, für die der Fernseher das notwendige Übel war, wenn es einmal geregnet hat und wir nicht raus konnten. Von den ganzen anderen elektronischen Geräten ganz zu schweigen. Die gab es in meiner Kindheit und Jugend noch nicht.
Meine Eltern haben mir die Liebe zur Natur und den Respekt für die Natur schon als Kind mitgegeben. Ich kenne Pflanzen und Tiere nicht nur aus Büchern und aus den Medien, sondern habe einen großen Teil meiner Zeit in der Natur verbracht. Im Wald, am See, auf den Bergen, an Flüssen und heute am Meer. Ich liebe Sonnenschein genau so wie Regen. Ich liebe den Wind und auch den Sturm. Sonne, MOnd und Sterne ... Gewitter, Hagel, Schneefall und - last but not least - Regenbogen!
Ich bin fasziniert von den Blumen auf der Wiese, dem Schmetterling, den Fischen, Delphine, Wale und das Marienkäferl am Grashalm. Pferde, Kühe, Elefanten, Palmen, Schlangen, Möwen und Adler. Kurz, alle was wächst und sich auf und rund um den Planeten tummelt. 

Das Leben in und mit der Natur ist wohl die größte Meisterleistung aller Ureinwohner, so natürlich auch von den Ureinwohner Nordamerikas.
Wir sprechen hier von der Natur im Großen Stil. Nicht nur von Mutter Erde und allem, was sie uns zum Überleben bereitstellt, sondern auch vom Schöpfer und all dem, was rundherum noch abgeht, vom Universum, wie wir es gerne verallgemeinern. 

Meine Grund-Verbundenheit mit der Natur wurde durch das Beispiel der Indianer noch verstärkt. Sie sprechen nicht von Menschen, Tieren und Pflanzen. Sie sprechen von unseren Verwandten.

Ein wichtiges Gebet der Lakota richtet sich:
an das Große Geheimnis, den Schöpfer (Wakan Tanka, The Great Mystery)
an Mutter Erde (Mother Earth) und Vater Himmel (Father Sky)
an die Sonne, den Mond und die Sterne
an den Wind und das Wasser
an die vier Himmelsrichtungen Norden, Süden, Osten und Westen
an die Zweibeiner (Two-Legged), die Vierbeiner (Four-Legged), die Schwimmer, die Flieger und die Kriecher (the Swimmers, the Winged-Ones and the Crawlers)
an die Pflanzen-Lebenwesen (Plant People) und an die Stein-Lebenwesen (Stone People).
An alle meine Verwandte (all my Relatives)
Mitákuye Oyásʼiŋ 

Ist das nicht wunderschön?
Seitdem ich dieses Gebet in mein Leben adaptiert habe, fühle ich mich nie mehr alleine. Denn die Natur ist immer da. Auch in der größten Großstadt, ohne Baum oder Grünfläche in Sichtweite, ... meine Fußsohlen berühren Mutter Erde. Vater Himmel ist immer zu sehen und zumindest ein wenig Wind streichelt mir über die Wange.

Durch dieses Gebet hat sich auch mein ganzer Umgang mit der Natur verändert. Ich spreche mit den Ameisen und den Eidechsen, die sich an meine Zehen heranschleichen, wenn ich auf der Parkbank in der Sonne lese. Ich würde niemals eine Blüte oder eine ganze Blume pflücken, weil sie in dem Moment stirbt. Wenn ich barfuß auf den Steinen am Strand stehe, verbinde ich mich mit den Stone People. Ich würde Essen niemals verschwenden oder wegwerfen. 

Und vor Kurzem ist mir noch etwas bewusst geworden:
Über die letzten Jahre wurde es mir immer wichtiger, natürlich zu leben und Müll zu vermeiden. Diesen Drang zur Natürlichkeit habe ich immer meiner Hochsensiblen Seele zugeschrieben. Doch ich bin davon überzeugt, dass hier auch meine Indianische Seele ein großes Mitspracherecht besitzt.
Wenn ich von Menschen in Restaurants oder Geschäften für meine Nachhaltigkeit gelobt wurde, gab ich immer folgende Antwort:
"Ich bin dabei sehr egoistisch. Ich mache das in erster Linie für mein eigenes Wohlbefinden. Erst im zweiten Schritt versuche ich das Richtige für die Natur zu tun."
Diese Trennung gibt es aber gar nicht!
Ich bin Teil der Natur. Ich bin also nicht egoistisch, sondern sorge mich um alle meine Verwandten, um meine Familie!
Mitákuye Oyásʼiŋ 

Wie schön wäre die Welt, wenn jeder Mensch alle Kreaturen und Lebewesen als seine Verwandte ansehen würde? 
Ich versuche gar nicht erst, vegan zu leben. Für mich ist eine Karotte oder ein Pfirsich genau so ein Lebewesen, wie eine Kuh oder ein Huhn. 
Ich höre auch dabei auf meine Indianische Seele: Vielen Dank dafür, dass du mich ernährst. Ich respektiere und wertschätze dich. Deshalb würde ich auch einfach so niemals eine Blume pflücken ... 
Wenn wir unseren Planeten alle als Mutter Erde erkennen würden, würden wir ihn ganz anderes behandeln. Wenn uns allen bewusst wäre, dass wir uns selbst verletzen, wenn wir den Regenwald niederholzen, würden wir es nicht mehr tun.
Wir sind nicht die höhere Lebensform, die die Macht über die Natur hat. 
Wir sind die Ignoranten, die sich als Teil der Natur selbst umbringen. 

Früher wäre ich an diesen Gedanken fast verzweifelt. 
Warum verstehen das die Menschen nicht?
Heute hat sich auch zum Glück diese Empfindung gedreht. Ich bin glücklich, die Verbundenheit mit meinen Verwandten zu spüren. Ich bin glücklich, an diesen Punkt der Erkenntnis gekommen zu sein.

Meine Verbundenheit mit den Indianern ist eine ganz starke Lebenslinie, die ich um nichts auf der Welt missen wollen würde. 
Woher sie kommt und was der tatsächliche Grund dafür ist, werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr erfahren, doch das ist nicht mehr wichtig. Wichtig ist nur, dass sie da ist.
Diese Sehnsucht und nicht bei ihnen sein zu können, tut manchmal ganz schön weh. Aber auch da beruhigt mich meine "Delphin-Theorie":
Sie sind da. Auch wenn ich sie nicht sehe ...!

Pilamayaye Wakan Tanka   

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